Pan Walther
"Pan Walther (1921-1987) war ein Mensch, dem die fotografische Zukunft viel zu verdanken hat. Er hat die Fotogeschichte um wertvolle, unverwechselbare Bildleistungen bereichert [...]" Gottfried Jäger
"Die hohe Konsequenz, mit der mein Vater alle zur Verfügung stehenden Mittel genutzt hat, um ein gutes Bild herzustellen, beeindruckt mich bis heute." Franzis von Stechow
Foto-Ausstellung in der Leica-Galerie

© copyright VG Bild-Kunst
in der Leica-Galerie Konstanz
Öffnungszeiten des Kaffee Blende 8:
Montag bis Freitag: von 08.30 Uhr bis 18.30 Uhr
Samstag: von 08.30 Uhr bis 17.00 Uhr
Auf der Ausstellungswebseite der Leica-Galerie finden Sie unten
- die Ausstellungsbroschüre
- eine Preisliste der Arbeiten
- und das Pan Walther Presse-Kit
zum Downloaden, sowie Impressionen der Eröffnung.
Portrait, Landschaft und Fotografik stehen im Mittelpunkt des jahrzehntelangen Schaffens von Pan Walther. Aufnahmen mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten, Gegenlicht, Unter- oder Aufsichten, Verfremdungseffekten sind charakteristisch für den Künstler, der sich Lichtbildner nannte und das Bilden mit Licht wörtlich nahm. Sein Umgang mit dem Medium ist erfinderisch, kreativ, experimentell, ja spielerisch. Ausgebildet in den Niederlanden und bei Franz Fiedler in seiner Heimatstadt Dresden sowie beeinflusst von der großen Portraitkunst Hugo Erfurths, entwickelt er in den 1940er Jahren eine eigene Methode, die sich keiner Stilrichtung eindeutig zuordnen lässt.
Für seine Portraits wählt Walther neutrale Hintergründe und meist enge Ausschnitte. Den Aufnahmen gehen Licht- und Perspektivstudien voraus. Bei Wilhelm Rudolph konzentriert er sich auf das Profil des Malers. Die raffinierte Lichtregie erforscht und betont die markanten Züge und sie erzeugt eine plastische Wirkung aus Höhen und Tiefen. Einfühlsam und ausdrucksstark ist auch das Halbporträt Josef Hegenbarths, eher eine Beobachtung aus dem Augenblick heraus, die den Maler in zeichnerischer Versunkenheit durchdringt.
1950 zieht Walther mit seiner Frau, der Fotografin Christine Bellmann, aus politischen Gründen von Dresden nach Münster und gründet mit ihr ein neues Atelier, das er bis 1985 betreibt. Neben den Bildnissen berühmter Zeitgenossen, darunter Otto Dix und Willy Brandt, rückt nun auch die Landschafts- und Reisefotografie in den Fokus. Besonders der Mittelmeerraum hat es ihm angetan. In der Türkei fängt er den Zauber antiker Kultstätten ein. Sein Hauptaugenmerk gilt aber weiterhin den Menschen. Wie im Atelier sucht er auch draußen die intensive und lebendige Begegnung mit den Protagonisten. Häufig reist er nach Saintes-Maries-de-la-Mer in der Carmargue, wo sich Sinti und Roma zur Wallfahrt einfinden. Ihre Lebensweise und ihr Temperament kommen dem Freigeist Walther sehr nahe. Als würde er an ihrem Leben teilhaben, erzählt er in atmosphärisch dichten, teils poetischen Bildern von ihren Bräuchen zu Ehren ihrer Schutzpatronin, der schwarzen Sara.

Franzis von Stechow führt durch die Ausstellung (Foto: Ulrich Riebe)
Bis zu seinem Weggang aus Dresden experimentiert Walther auch mit Edeldrucken. Die Kopierverfahren mit feinen Tonabstufungen und reizvollen Oberflächenstrukturen haben eine malerische Anmutung. An ihre Stelle treten formstrenge Bilder mit expressiven schwarzen und weißen Flächenaufteilungen. Die Arbeit in der Dunkelkammer bleibt essentiell, erst hier erhält das Bild durch den gekonnten Einsatz technischer Verfahren seine endgültige Form. In seinen Fotografiken reizt er die Wirkungskraft der künstlerischen Gestaltungsmittel bis zum Äußersten aus, wovon Landschaftsaufnahmen aus Kappadokien oder von der Insel Krk zeugen.
Bis etwa 1980 favorisiert Walther das Einzelbild und steht hinter der Kamera. Dann wechselt er die Seiten, wird sein eigenes Modell und inszeniert sich in verschiedenen Rollen. Mal steht er auf einem wackeligen Podest, entblößt bis auf ein paar Streifen lumpigen Tuchs, mal ist sein nackter Körper von Sonnenblumen und Kohl umhüllt. Die clownesken Auftritte wirken wie eine Ironie gegen sich selbst, können aber auch als eine Art hilfloser Protest gegen die Widrigkeiten des Lebens gelesen werden. Er selbst spricht von seinen Aktionen als liebenswerte Formen einer Abneigung gegen Strammstehen, Heldentum, Totschießenlassen und falsches Ehrgefühl.
Alle ausgestellten Fotografien stammen von der Aufnahme bis zum fertigen Abzug aus der Hand Walthers. Seine Prinzipien und seine Arbeitsweise hat er 1981 und 1986 in „Sehen, Empfinden, Gestalten“ und „Künstlerische Porträt-Fotografie“ in Bild und Text treffend dargestellt.
Dorothea Cremer-Schacht